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Submitted by fisch1 on 8. September 2006 - 19:02
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Es war ja schon im Blog angekündigt, jetzt ist es an der Zeit, sich eingehender mit den Tuning-Tipps in der Ausgabe 4/06 der Windows Intern zu beschäftigen. Dort werden auf insgesamt 30 Seiten Tuningtools und -tipps vorgestellt. Und auf weiteren 4 Seiten gibt es dann Tools, mit der sich die Funktionalität und Oberfläche des kommenden Vista unter XP nachbilden lässt, die aber dann die Performance des vorher so sorgfältig getunten Rechners um grob geschätzte zwei Rechnergenerationen degradieren. Wer hofft, dass nach Umsetzung der Tuningtipps sein bislang zu langsamer Rechner schnell genug ist, um problemlos mit einer Vista-ähnlichen Oberfläche arbeiten zu können, der irrt leider. Ich habe diesen Artikel ausnahmsweise vorab an einen der Autoren, Sandro Villinger, geschickt. Er betreibt mehrere Seiten rund um MS Produkte, z.B., http://www.windows-tweaks.info/ und ist auch als Buchautor für MS Press mit dem Buch Microsoft Windows Vista - Die Neuerungen im Überblick in Erscheinung getreten. Er weist in seiner Antwort unter anderem darauf hin, dass viele der Tipps sich an den so genannten Poweruser/-tweaker wenden, den schon Steigerungen im Millisekundenbereich glücklich machen. Das geht allerdings aus dem Artikel so nicht hervor.
Auch erwähnt er, dass die Tipps in ihrer Gesamtheit durchaus eine Beschleunigung bewirken können; diese Aussage kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Sei es drum, möge sich der Leser selber ein Bild machen und entscheiden. Wenn jemand meine Feststellungen und Messungen mit eigenen vergleicht und dabei Abweichungen feststellt, bin ich immer bereit, Korrekturen anzunehmen. Genau wie Sandro übrigens auch, er geht, was für manchen überraschend sein mag, in vielen Punkten mit mir konform, auch wenn wir offensichtlich unterschiedliche Auffassungen von sinnvollem Tuning haben.
Aber eines nach dem anderen. Los geht es auf Seite 6 mit der Einführung, großen Versprechen und dem guten Rat, vor dem Ausprobieren der Tipps ein komplettes Backup anzulegen. Und dann auf der nächsten Seite ab in die Vollen mit den „SimonTools XP Tuner“ Da wird in der Kurzvorstellung von Registry Reinigung erzählt und von dubiosen „Spionagefunktionen in XP“ fabuliert. Die Installation der auf CD mitgelieferten Version 2004 zeigt dann einen mehr oder minder funktionalen TuneUp Clone, mit all den mehr oder minder sinnigen Einstellungsmöglichkeiten und Assistenten wie beim Vorbild. Eine gesonderte Besprechung des Tools spare ich mir an dieser Stelle, es mag die kurze Aussage reichen, dass ein längerer Test das selbe Ergebnis zeigt wie der Test von TuneUp, man kann sich die Installation also auch getrost schenken.
Kann man sich nach diesem gelungenen Einstieg steigern? Aber natürlich, und zwar mit der Vorstellung des „Windows Intern XP-Speed Pack Turbo Tuners“. Das ist eine mit dem Windows Intern Logo versehene Version eines Open Source Tools namens „Security & Privacy Complete“. Bei dem Programm handelt es sich im Endeffekt um eine Mischung aus XP-Antispy und dem unter http://www.ntsvcfg.de zu findenden Tool zur Deaktivierung von (vermeintlich) unnötigen Windows-Diensten. In einer recht übersichtlichen Oberfläche findet sich dort eine skurrile Mischung von mehr oder minder sinnvollen bis hin zu überflüssigen und kontraproduktiven Funktionen. Eine detaillierte Besprechung wäre ein Thema für einen gesonderten Artikel, deswegen geht es jetzt nur darum, was die Autoren bei Windows Intern für besonders wichtig halten.
- Autorun deaktivieren.Macht Sinn, wenn man an diverse Kopierschutzmaßnahmen der Audio-Industrie denkt.
- Ausführbare Dateien nicht auslagern.Dahinter verbirgt sich nichts anderes als der aus den Tuning-Mythen: RAM, Punkt 7 schon sattsam bekannte Registry-Key „DisablePagingExecutive“. die Einstellung ist schlicht wirkungslos.
- Keine Bandbreite reservieren.Wieder einmal das Abschalten des QoS Dienstes. Dazu nur der Link zu den vermeintlichen Profitipps und zur MS Knowledgebase. Wirkungslos.
- Fehlerberichterstattung deaktivieren. Kann man machen, obwohl darüber inzwischen tatsächlich ab und an mal brauchbare Ratschläge für die Anwender als direktes Feedback gegeben werden. Aber das passiert insgesamt zu selten, so kann man getrost dieser Empfehlung folgen.
- Keine Vorschau für AVI Videos generieren.Löst ein Problem, das eigentlich nur ohne SP2 auftritt, kann aber sinnvoll und sich beschleunigend auswirken, wenn man viele AVI Dateien in einem Ordner hat.
- TCP-Verbindungen nicht beschränken.Löscht den wert „tcpnumconnections“. Ist in den allermeisten Fällen allerdings recht sinnfrei, wenn nicht zusätzlich die Beschränkung auf maximal 10 gleichzeitige halboffene Verbindungen weggepatcht wird. Bei Bittorrent lassen sich dadurch jedenfalls keine Vorteile erzielen, bei manch anderer veralteter Filesharingsoftware mag es noch helfen. Ein grundsätzlicher Nutzen durch das Setzen dieser Einstellung ist jedenfalls nicht zu erwarten.
- Bootvorgang beschleunigenSetzt „bootoptimizefunktion“ auf Y. Überflüssig, denn genau das ist bei XP SP2 die Standardeinstellung, siehe Tuning Mythen Booten, Punkt 4.
Sieben Empfehlungen, davon nur drei wenigstens halbwegs sinnvoll. Die Quote lässt zu wünschen übrig, oder? Nach diesem ersten Höhepunkt wieder etwas Entspannung, denn nun widmet man sich dem Tool CCLeaner, über das sich eigentlich kaum etwas negatives sagen lässt. Es tut meist das, was es soll und ist nicht durch Fehlerberichte von Anwendern negativ aufgefallen. Den pauschalen Einsatz kann man nicht empfehlen, man sollte sich schon mit den Einstellungen wenigstens kurz beschäftigen, sonst könnte es sein, das doch ein wenig zu viel gelöscht wird. Der Registry Cleaner ist übrigens auch bei diesem Programm recht sinnlos und zu übereifrig, von seiner Benutzung ist abzuraten. Auch sollte man bei der Installation darauf achten, die optionale Yahoo Toolbar abzuwählen. Jetzt versorgen die Autoren von Windows Intern die Tuningwilligen mit diversen kleinen Scripten, jeweils mit Kurzbeschreibung der Funktion und wie selbige auch ohne Script erreicht werden kann. Die Dokumentation ist schon lobenswert, wenn die Recherche vorher etwas besser gewesen wäre, hätte das ein positives Highlight werden können. Stutzig macht angesichts des Folgenden allerdings der erste Satz des Artikels, denn dort ist von „brandneue Tipps zur Beschleunigung und Verbesserung“ die Rede. So dermaßen „brandneu“ sind die Tipps zur Beschleunigung aber nicht wirklich, denn das meiste davon lässt sich schon seit über einem Jahr in den Tuning-Mythen finden. Insgesamt siebzehn dieser Tipps und Tools werden in den Artikel geliefert, hier wird nur auf die einige ausführlicher eingegangen, ansonsten verweise ich auf die Tuning-Mythen
- Systemwiederherstellung aushebeln. Deaktiviert oder aktiviert die Systemwiederherstellung. Wenn man ein anderes, funktionierendes Backup macht, kann das ohne Gefahr angewendet werden. Spart etwas Plattenplatz.
- Boot-Defragmentierung.Startet die Boot-Defragmentierung auf Doppelklick. Ein echter, mess- oder fühlbarer Nutzen ist davon nicht zu erwarten Der Autor des Artikels sieht als Zielgruppe die „Poweruser“, die täglich viele Programme (de-)installieren, diese mögen in Ausnahmenfällen von einer täglichen Boot-Defragmentierung profitieren.
- Boot-Optimierung aktiviert?Aktiviert die Boot-Optimierung. Im Text findet sich die Aussage, dass viele Programme im Autostart sie deaktivieren würden, wobei das wohl eher Einzelfälle zu sein scheinen. Es schadet jedenfalls nicht, dieses Script auszuführen
- Lästige Pop-Up-Meldungen abschaltenWen es stört. Zu beachten ist allerdings, dass dies prinzipbedingt die Ballon Tipps vollständig abschaltet. Ein gezieltes Deaktivieren von bestimmten Hinweisen ist so nicht möglich, da müsste man mit Tools wie Autohotkey arbeiten.
- Symbolausgabe beschleunigenBetrifft Win98, ist hier kein Thema
- Sparen sie mehrere GigabyteEin Tipp, der bei Verwendung des vorher vorgestellten CCleaners eigentlich überflüssig ist und auch nur mit Vorsicht umgesetzt werden sollte, denn das Script löscht gnadenlos den DriverCache und die InstallShield Informationen. Bei der Installation von neuer Hardware sollte man dann die XP CD auf jeden Fall griffbereit halten und bei der Deinstallation/Reparatur von Software, die per InstallShield installiert wurde, wird es zu Problemen kommen. Hier mag jeder für sich entscheiden, ob der Gewinn von ein paar MB das wert ist.
- NTFS optimieren.Schaltet den NTFS Zeitstempel ab. Ist in den allermeisten Fälle schlicht wirkungslos in Sachen Performance, siehe Tuning Mythen, Teil III, Punkt 14. Der Tipp mag nicht schaden, aber man wird auch nichts merken.
- NTFS optimieren, Teil 2Deaktiviert die Erzeugung kurzer Dateinamen. Bringt nichts, außer in manchen Fällen Probleme, siehe Tuning Mythen, Teil III, Punkt 15. Auch Hardcoretunern, die der Autor damit hauptsächlich ansprechen will, ist das nicht wirklich zu empfehlen, denn den mehr theoretischen Gewinnen stehen die Nachteile gegenüber.
- Ordnerwechsel beschleunigenBetrifft Win98, ist hier kein Thema
- Komprimieren sie ihre Dateien.Worum geht es bei den Tipps doch gleich? Beschleunigung und Verbesserung? Schneller wird das System durch diesen Tipp jedenfalls nicht, insbesondere dann nicht, wenn man der Empfehlung folgt und die NTFS Komprimierung für das gesamte Laufwerk C: aktiviert. Ach ja, Access-Datenbanken sollte man auch nicht auf komprimierten Datenträgern speichern, denn aus eigener Erfahrung werden diese dann gerne auch mal dadurch beschädigt. Der Sinn dieses Tipps kann angesichts der heutigen Festplattengrößen getrost bezweifelt werden; performancesteigernd ist er mit Sicherheit nicht.
- MFT an ihre Bedürfnisse anpassenBeeinflusst die MFT Reservierung. Empfohlen wird der höchste Wert von 37,5%, was in dieser Pauschalität allerdings nicht wirklich sinnvoll ist. Näheres dazu findet sich in den Tuning Mythen, Teil III, Punkt 16.
- Den Windows Prefetcher kontrollieren.Falls der Prefetch-Mechanismus tatsächlich einmal nicht mehr funktionieren sollte, kann man ihn damit wieder aktivieren. Allerdings sind solche Fälle extrem selten und wohl eher auf die unbedachte Umsetzung von Tuningtipps oder die Anwendung von dafür gedachten Tools zurückzuführen. Der Tipp, den Inhalt des Prefetch Ordners regelmäßig zu löschen, ist jedenfalls nicht gut, siehe Tuning Mythen, Punkt 3.
- Internet beschleunigenDurch Vergrößerung des DNS Caches sollen weniger Abfragen bei DNS Server notwendig werden. Bei diesem Tipp handelt es sich um einen der Fälle, wo die Begründung sehr plausibel und nachvollziehbar klingt, tatsächlich messbare positive Auswirkungen aber nicht feststellbar sind. MS schreibt zu den einzelnen Werten im Technet, bezogen auf W2K3 Server, was aber auch für XP gilt: CacheTableHashSize: It should not be necessairy to adjust this parameterMaxSOACacheEntryTtlLimit: ...they are not cached for long, to ensure that the most up-to-date record data is available for the DNS start of authority CacheHashTableSize: It should not be necessary to adjust this parameter. MaxCacheEntryTtlLimit: ValidRange: 0–0xFFFFFFFF (suggested value less than one day, to prevent very stale records) . Sprich: Setzt man diesen Wert zu hoch, steigt das Risiko, veraltete DNS Einträge im Cache zu haben, was zu scheinbarer Nichterreichbarkeit von Seiten führen kann.Der Sinn dieser Maßnahmen scheint eher fraglich, wirklich spür-und messbare positive Auswirkungen sind nur sehr selten zu erwarten.
- System File Checker-Ordner löschenLöscht den Inhalt von %windir\system32\dllcache. Das wirkt sich nicht positiv auf die Performance aus, spart allerdings etwas Plattenplatz, um den Preis, dass jedes mal, wenn eine Systemdatei von einem Programm bei der Installation ausgetauscht wird, diese von der original XP CD wiederhergestellt werden muss. Ob es das wert ist, etwa 250 MB mehr Platz zu haben(das Verzeichnis ist per Default komprimiert), muss bei den aktuellen Plattengrößen jeder für sich entscheiden.
- System Page Table Entries optimierenMeist sinnlos und eher kontraproduktiv. Zitat aus der MS Dokumentation: “Caution. Do not change the value of this entry. Changing it prevents the system from calculating an optimal value for your system and adjusting the value when your system changes” . Siehe Tuning Mythen, Teil II, Punkt 10. Der Autor verweist bei Nachfrage auf Erfahrungen von Anwendern, bei denen sich dieser Tipp bei der Ausführung von Programmen mit hoher I/O Last performanceverbessernd ausgewirkt hat, in diesen wenigen Spezialfällen könnte man darüber nachdenken. Als generelle Empfehlung für das Setzen dieser Einstellung sollte man das aber nicht sehen.
- Arbeitsspeicher leerenDa ist er, der Klassiker der Speichertuning-Tipps. Wieder einmal kann nur auf Mark Russinovich, der inzwischen zu MS wechselte, und seinen Artikel „Schlangenöl für den Speicher“, verwiesen werden. Siehe auch Tuning Mythen, Teil II, Punkt 11. Hierzu schreibt der Autor aber von eigenen Erfahrungen bei kleinem Speicherausbau, wo das Script nach langer Arbeit mit speicherintensiven Programmen positive Wirkungen zeigt. Obwohl es anhand der technischen Fakten nahe liegt, dass dabei den Wunsch Vater der Wahrnehmung ist, mag es jeder für sich selber ausprobieren.
- Schneller Programme installierenBetrifft Win98, ist hier kein Thema
Vierzehn Tipps für XP, nahezu alle ohne positiv mess- oder fühlbare Auswirkungen auf Performance und Stabilität, einige sogar bremsend wie z. B. der Vorschlag, die Festplatte zu komprimieren. Das Versprechen, mit diesen Tipps das System zu beschleunigen, wird bislang nicht wirklich eingehalten. Damit sind die ersten sechzehn Seiten durchgesehen. Als Zwischenergebnis muss festgestellt werden, dass von dem „schnellsten Windows aller Zeiten“, das man nach Durcharbeiten der Artikel haben soll, bislang nicht viel zu sehen ist. Aber es kommen ja noch 14 weitere Seiten voll von Hinweisen, Empfehlungen und Ideen, vielleicht wird es ja doch noch etwas mit der Frischzellenkur. Damit wird sich dann der zweite Teil dieses Artikels beschäftigen.
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